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1

Freitag, 7. Oktober 2011, 10:42

Jemanden dort abholen wo er gerade steht.

Warum ist es so schwer einen lernenden dort abzuholen wo er/sie gerade "steht"?
Meiner Meinung nach ist es sowohl eine Kunst als auch eine Kleinigkeit, mit der sich jede(r) Ausbilder(in) befassen sollte. Oder doch nicht?
Signatur von »Christian« “Wenn ich mit drei Menschen zusammen wandere, kann immer einer von ihnen mein Lehrer sein: Denn was ich Gutes an ihm erkenne, wähle ich für mich aus, und was ich an ihm nicht gut finde, das ändere ich.” Kung Fu Zi.

2

Freitag, 7. Oktober 2011, 12:55

Natürlich ist das ein Thema für Ausbilder.

Dazu gibt es einige Voraussetzungen

z.B.
- Es gibt eine Ausbildungsvereinbarung, die den Ausbilder in diese Verantwortung ruft
- der Auszubldende öffnet sich, damit der Ausbilder auch eine Möglichkeit hat, dessen "Stand" zu erkennen
- der Auszubildende/Schüler erklärt dem Ausbilder nicht, wie es geht oder was alles nicht geht (denn er weiß es ja noch nicht)

und da gibt es noch einige Voraussetzugnen, die diesen fenen Unterschied ausmachen, ob es eine Kunst ist oder einfach.

Grundsätzlich gilt, wer auf seinen Platz besteht, kann nicht abgeholt werden.
Signatur von »Lady Uschi« Aus einem Seminar, mein neuestes Lieblingszitat........"Bäume sind alte Wesen und wohnen vermehrt im Wald"

Wenn dich die Träne des Drachen berührt, bist du zu Hause.

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3

Freitag, 7. Oktober 2011, 20:28

"Den Schüler dort abholen wo er steht".. ist meines Erachtens ein vielverwendeter Allgemeinplatz, der vom Grundsatz her ganz toll klingt, aber nicht immer funktioniert.

Oft entsteht aus dieser Grundannahme heraus vom Schüler eine (nicht unbedingt ausgesprochene) Forderung danach, auch noch aus dem tiefsten Sumpf herausgetragen zu werden.
Wenn ich dann als Ausbilder das ein paar Mal gemacht habe, und der Schüler sich direkt umdreht und zurücklatscht in seinen Sumpf, fange ich an mir zu überlegen, dass an diesem Satz vielleicht nicht alles gesagt ist.
Ich stimme Uschi zu, dass es ein paar Voraussetzungen braucht - und einiges an Mühen und Anstrengungen von beiden Seiten.
Wie zum Beispiel soll ich einen Schüler auf eine möglich andere Weltsicht zuführen, der sich selbst ein Weltkonzept gibt, das er unter gar keinen Umständen verlassen will?
Wirkliches neu Lernen und Umdenken MUSS Angst machen - ein Schüler der behauptet ich hätte ihn nicht dort abgeholt wo er steht, nur weil ihm ein Teil der Ausbildung Unwohlsein bringt, hat das Grundprinzip nicht verstanden.

Zitat von »"Lady Uschi"«

Grundsätzlich gilt, wer auf seinen Platz besteht, kann nicht abgeholt werden.

Das sehe ich genauso.

Birgit
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4

Freitag, 7. Oktober 2011, 20:34

Welches Grundprinzip meinst Du, Birgit?
Aus welchen Grund/ aus welchen Gründen muss wirkliches neu lernen und Umdenken Angst machen?
Signatur von »Christian« “Wenn ich mit drei Menschen zusammen wandere, kann immer einer von ihnen mein Lehrer sein: Denn was ich Gutes an ihm erkenne, wähle ich für mich aus, und was ich an ihm nicht gut finde, das ändere ich.” Kung Fu Zi.

5

Freitag, 7. Oktober 2011, 21:23

Zitat

Welches Grundprinzip meinst Du, Birgit?
Aus welchen Grund/ aus welchen Gründen muss wirkliches neu lernen und Umdenken Angst machen?


Das Grundprinzip wie Menschen ticken. Menschen sind soziale Gewohnheitstiere, denen Routinen Sicherheit verschaffen und die auf Neues und Unbekanntes zuerst mit Abwehr reagieren.
Das Be-greifen von neuen Welten, das Ändern von Perspektiven, das über blosses Neu-Lernen und Integrieren hinaus geht verursacht Unsicherheit, Unbehagen, bis hin zu Angst.
Angst ist für mich das erste Zeichen dafür, wirklich Neuland zu betreten. Etwas bisher Ungeahntes, Ungesehenes zu berühren, das möglicherweise das feste Fundament meines bisherigen Lebens vollständig über den Haufen wirft. Solange ich keine Angst habe, solange ich mich sicher wähne, habe ich noch nichts substantielles geändert.

In ein volles Glas kann ich keine zusätzliche Flüssigkeit geben. Ich muss das Glas vorher leeren, den Inhalt los- und sterben lassen.
Neues zu lernen, wirklich neue Horizonte zu beschreiten, bedeutet immer den Tod von etwas Altem. Tod hier gemeint im durchaus abstrakten Sinne von Transformation, Abschluss, Integration.

Birgit
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6

Freitag, 7. Oktober 2011, 21:26

Ein ganz und gar emotionales Beispiel für die Angst die es machen kann auf neuen Wegen zu gehen Gedicht im alten Forum
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7

Freitag, 7. Oktober 2011, 22:50

Ich schließe mich den Aussagen von Uschi und Birgit an, sie bringen den Sachverhalt auf den Punkt.

Um es metaphorisch auszudrücken: Um abgeholt werden zu können, musst Du auch Deine Adresse angeben. Denn sich eine Weile auf den Schüler zu bewegen, aber wenn er nicht irgendwann die Adresse findet, läuft er immer wieder an ihm vorbei. So lange, bis er gezwungen ist, das Vorhaben aufzugeben, weil er andere Dinge tun möchte oder muss. Ein Schüler der abgeholt werden will, sorgt dafür, daß der Lehrer die Adresse bekommt. Einer, der dort bleiben will wo er ist, schützt seine Adresse, als würde Facebook danach fragen.

Du hast den Schlüssel dies zu verstehen mit Deiner Ausbildung bereits - Du wendest ihn als Lehrer sicher auch an. Nur beziehst Du all Dein Wissen über das Lehren und Lernen scheinbar nur auf andere und nie auf Dich selbst. Du hast in einer Lektion die Du mit mir bearbeitet hast, beispielsweise gesagt, daß ein Lehrer seinen Schüler im richtigen Maße frustrieren können muss - klar, so entsteht ein effektiver Lernprozess. Was meinst Du also, warum ich beispielsweise lauter Fragen gestellt habe, die Dir Probleme machen? Weil ich Dich gerne nerve, oder weil ich nach exakt den Prinzipien handele, die Du beschreibst?

Damit ist Deine nicht ausgesprochene Frage beantwortet, was mir Bauchschmerzen bereitet, denn es ist nicht meine Art auf irgendeine Art zwischen den Zeilen zu lesen - ich weiß allerdings, daß Du eine Klärung wolltest, weil Du es in der Lektion gesagt hast.

So, und jetzt zu dem, was Du tatsächlich gefragt hast. ;)

Die Frage

Zitat

Warum ist es so schwer einen lernenden dort abzuholen wo er/sie gerade "steht"?
Meiner Meinung nach ist es sowohl eine Kunst als auch eine Kleinigkeit, mit der sich jede(r) Ausbilder(in) befassen sollte. Oder doch nicht?
halte ich für nicht passend. Denn es ist nicht schwer. Nicht prinzipiell. Im Gegenteil, es ist ziemlich einfach, wenn beide Seiten sich füreinander öffnen. Beharren Ausbilder oder Schüler darauf, ihre Scheuklappen aufzusetzen und sich nicht zu öffnen, sondern nur auf ihren eingefahren Spuren weiter zu fahren - dann ist es nicht nur schwer, sondern geht in die Richtung von unmöglich.