Im Straßenrand, bedeckt mit Staub,
blüht eine Nessel, die ist taub.
Sie blüht bei Sonnenschein und Frost,
mühselig , aber doch getrost.
Dereinst am Tage des Gerichts
(Sie hört von den Posaunen nichts)
Wird Gott ihr einen Boten schicken,
der wird die taube Nessel pflücken
und in den siebten Himmel bringen.
Dort hört sie dann die Engel singen.

Aus dem "Heiteren Herbarium" von Karl Heinrich Waggerl



Sie ähnelt ihrer Großen Schwester von der Wuchsform her - jedoch fehlt Ihr die Behaarung, weswegen sie bei Berührung auch nicht das typische Brennen auslöst.

Die Taubnessel ist eine Hummelblume - nur diese erreichen mit ihren langen Rüsseln den am Grund der Kronröhre liegenden Nektar. Manchmal beißt die Honigbiene seitlich ein Loch in die Kronröhre und "raubt" den Nektar. Die Teilfrüchte tragen ein nahrhaftes Anhängsel und werden durch Ameisen verbreitet.

Die Weiße Taubnessel ist eine alte Heilpflanze und wurde bei entzündlichen Erkrankungen verwendet. Sei es als auswurfförderndes Mittel bei Erkrankungen der Atemwege oder gegen Blähungen. Oder mithilfe von Umschlägen und Bädern aus der abgekochten Pflanze bei Hautschwellungen, Beulen, Krampfadern und Gichtknoten.
Man verwendet sie in der Naturheilkunde noch heute zur Unterstützung bei Menstruationsstörungen; unspezifischem weißem Ausfluß oder aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe, bei unterentwickelten jungen Mädchen auch als Gebärmuttertonikum.

Nach dem Werk "Curieusen und vernünftigen Zauberarzt" von Valentinus Kräutermann (1725) verraten in den Urin eines Kranken gelegte Taubnesseln dessen Schicksal: Bleiben sie grün, wird er wieder gesund.

Die jungen Blätter und Triebe werden als Salat und Gemüse besonders in Schweden und Norddeutschland geschätzt. Die weichgekochten Wurzeln kann man als Salat verwenden. Außerdem gewann man aus dem Kraut früher einen gelben Farbstoff, dem man Zauberkräfte nachsagte. Mancherorts wird sie sogar als Zierpflanze verwendet.